Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Oberkochen

Unsere seit der Einweihung am Reformationstag 1967 etwas in die Jahre gekommene Versöhnungskirche erstrahlt nach der Kirchenrenovierung in neuem Glanz und hellerem Licht! Am 2. November 2003 wurde der erste Gottesdienst nach der Renovierung gefeiert: Anlass, einige Meilensteine der Geschichte unserer Gemeinde und ihrer Kirchen aufzuzeigen.

Erste Kirche 1583

Zweite Kirche 1875

Dritte Kirche 1968
Kirchenrenovierung 2003
Renovierung der Gemeinderäume

Heidehaus

 

 

 

Erste Kirche 1583

Im Jahr 1580 schrieb der evangelische Königsbronner Abt "von wegen des Klosters Königsbronn Untertanen zu Oberkochen pfarrlicher Versehung" dem Herzog nach Stuttgart einen Brief, in dem er "für ein gut christlich Werk" hielt, wenn in Oberkochen ein "Schulhaus" erbaut würde. Damit hatte der Briefschreiber seinen wahren Plan etwas verschleiert, denn eigentlich sollte eine Kirche gebaut werden, die außer dem Gottesdienstraum auch die Pfarrwohnung enthielt, zugleich als Schullokal für die etwa 10 Schulkinder.

Also ging man ans Werk, machte aber die Rechnung ohne den Wirt in Gestalt des katholischen Propstes von Ellwangen, der die hohe Gerichtbarkeit über das staatlich und seit der Reformation auch konfessionell geteilte Dorf Oberkochen ausübte und der weder mit dem Bau einer evangelischen Kirche, noch mit dem für sie vorgesehenen Bauplatz einverstanden war. Die daraus resultierende juristische Auseinandersetzung führte bis zum Leipziger Reichskammergericht. Die Unversöhnlichkeit beider Parteien war so groß, dass der Prozess 25 Jahre nach dem Bau der Oberkochener Kirche noch schwelte, dann aber sich im Sand der Geschichte verlief.

Somit steht seit 1583 die evangelische Kirche in der Oberkochener Ortsmitte, allerdings im ellwangischen Teil des Dorfes, jedoch, wie der Abt von Königsbronn als Bauherr behauptete, auf einem "evangelischen Grundstück." Am Ostersonntag 1583 predigte Ulrich Nicolai als erster Oberkochener evangelischer Pfarrer in der neuen Kirche. Immer wieder umgebaut und wegen knapper Finanzen oft nur notdürftig repariert, wurde sie 1875 abgerissen und auf den Grundmauern der alten Kirche eine neue errichtet.


Zweite Kirche 1875

Die erste Kirche wurde 1875 abgerissen und auf den Grundmauern der alten Kirche eine neue errichtet. Zugleich entstand ein separates Pfarrhaus, so dass der Neubau mit seinem turmartigen Dachreiter, in dem drei kleine Glocken Platz hatten, nur als Gotteshaus der 1900 rund 250 Glieder zählenden evangelischen Gemeinde diente. 1938 wurde ein Gemeinderaum angegliedert und der Dachreiter 1953 durch einen massiven Kirchturm ersetzt.

Zweite Kirche, 1875, heute Stadtbibliothek

Durch die mit der Ansiedlung von Firma Zeiss einsetzende Entwicklung wuchs die Zahl der evangelischen Einwohner auf 3500 an, Grund, die Kirche zu erweitern, um Neubürgern und Alteingesessenen eine geistige Heimat bieten zu können.

Dritte Kirche 1968

Umbau oder Neubau?
Zunächst diskutierte der Kirchengemeinderat über einen Entwurf zum Umbau der Kirche. Doch ergaben sich Schwierigkeiten: Die "neue" Kirche wäre zwischen Nachbarhäusern eingezwängt worden und die notwendigen PKW-Stellplätze hätten nicht geschaffen werden können. Entscheidungshilfe war dann das Angebot von Bürgermeister Bosch, den beiden Kirchgemeinden je einen Bauplatz im Neubaugebiet "Gutenbach" unentgeltlich zu überlassen. Damit sollte der Plan der bürgerlichen Gemeinde unterstützt werden, den - wie Bürgermeister Bosch sagte - "Rubikon", sprich Gutenbach, zu überschreiten, um ein neues Zentrum samt Rathaus und kirchlichen Einrichtungen außerhalb der alten Ortsmitte zu bauen. Und so beschloss der Kirchengemeinderat am 2. Juli 1962, im Baugebiet Gutenbach eine neue Kirche zu errichten.

Wettbewerb und Finanzierung
Nachdem das Raumprogramm für Gemeinde- und Jugendräume festgelegt war, wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, aus dem nach intensiven Änderungsberatungen der Entwurf von Architekt Heinz Bauer, Ebersbach/Fils, als Baugesuch mit einem Kostenaufwand von 1,3 Millionen DM hervorging. Von den Kosten waren rund 50% auf einem Kirchbaufonds angespart worden, 20% mussten durch ein Darlehen finanziert werden, weitere 30% wurden teils durch die bürgerliche Gemeinde und das Gustav-Adolf-Werk beigesteuert, vor allem aber durch Eigenleistungen vieler Gemeindeglieder bei Kirchbaubazaren oder Heimarbeit des Frauenkreises bei einer Wäschefabrik aufgebracht.

Der Kirchbau
Die am 16. Mai 1967 begonnenen Rohbauarbeiten gingen zügig voran (zumal Mitglieder des Kirchengemeinderates laut Protokoll die wöchentliche Bierlieferung der Bauarbeiter übernommen hatten). Krönender Abschluss war das Richtfest am Reformationstag 31. Oktober 1967, bei dem Pfarrer Geiger den ersten Gottesdienst im neuen Kirchenrund hielt, wobei Regen in den nicht überdachten Kirchenraum prasselte und der Herbststurm unangenehm durch nicht verglaste Fensteröffnungen fegte. Dann wurde die Urkunde in den Grundstein eingemauert, deren Leitvers lautet: "Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus".

Versöhnungskirche
Bei der Diskussion um den Namen der neuen Kirche setzte sich schließlich "Versöhnungskirche" durch als Mahnung für Versöhnung zwischen Ost und West, Nord und Süd, als Anstoß zur Versöhnung zwischen Mensch und Natur, Eltern und Kindern, Alt und Jung, als Anreiz zu versöhntem ökumenischem aufeinander Zugehen (so Pfarrer Thierfelder beim fünfundzwanzigjährigen Kirchenjubiläum).

Festliche Einweihung
Nun ging es an den Innenausbau, bei dem rund 30 Firmen beteiligt waren, so dass am Samstag vor dem 3. Advent des Jahres 1968 viele Hände von Gemeindegliedern sich zusammenfanden, um die letzten Spuren der Bauerei zu beseitigen, ehe am Sonntag, 15.12.1968, der Festgottesdienst zur Einweihung mit Alt-Landesbischof Dr. Haug gefeiert werden konnte. Erstmals erklangen dazu vom Kirchturm zwei neugegossene Glocken, deren Klang sich mit dem von zwei der alten Kirche entnommenen Glocken zu festlichem Geläut vereinte.

Baustelle
Abgesehen davon, dass eine Kirche eigentlich nie fertig ist und stets Baustelle zum Bau der Gemeinde sein muss, fehlte der Versöhnungskirche die Orgel, die erst 1974 aufgestellt werden konnte, nachdem Mittel aus dem Verkauf der alten Kirche an die Stadt Oberkochen und deren Umbau zur Stadtbibliothek verfügbar waren.
Danach entfaltete sich auf der immerwährenden "Baustelle Versöhnungskirche" ein breitgefächertes Gemeindeleben, das im Jahr 1983 mit der 400-Jahrfeier der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkochen einen Höhepunkt erlebte und von dem die Festschrift aus dem Jahr 1993 "25 Jahre Versöhnungskirche Oberkochen" berichtet.

Versöhnungskirche Oberkochen

Ausblick

Nach siebenmonatiger Umbauzeit feierten wir am 2.11.03 die Wiedereinweihung unserer Kirche, die nicht wie ihre Vorgängerin vor über 400 Jahren unter dem Vorzeichen von Konfrontation und Unversöhnlichkeit errichtet worden war, sondern bewusst den Namen "Versöhnungskirche" erhielt. Möge sie auch im neuen Glanze Hort der Verkündigung des Wortes Gottes sein, Ort der Zwiesprache zwischen Menschen und Gott, Platz für Meinungsaustausch zwischen Glaubenden und Zweifelnden, Anstoß zur Versöhnung all dessen, was unversöhnlich zu sein scheint.

Volkmar Schrenk

 

 

Kirchenrenovierung 2003

Bei der Kirchenrenovierung im Sommer 2003 mussten sämtliche Fenster ausgetauscht werden. Der Kirchenraum wurde durch Fensterscheiben mit Klarglas wesentlich heller. Weitere Maßnahmen bei der Renovierung waren die Kunst-Installation unter dem Titel "Farb-Licht-Folge" von Bernhard Huber an zwei Kirchenwänden, die Entfernung einiger Kirchenbänke, die Überarbeitung sämtlicher Elektroinstallationen und der Heizkörper im Kirchenraum, die Erneuerung des Fußbodens auf der Empore, die Aufstellung eines Tauftisches und die Neugestaltung des Kirchenvorraumes.

Renovierung der Gemeinderäume der Versöhnungskirche 2004

Als zweiter Bauabschnitt der Kirchenrenovierung wurden im Sommer 2004 die Gemeinderäume im Gemeindezentrum Versöhnungskirche renoviert. Die Hauptaufgabe bestand in der Durchführung von Wärmedämmmaßnahmen. Die Außenwände der Gemeinderäume wurden von innen isoliert. Der Christian-Hornberger-Saal und die Jugendräume erhielten dadurch neue Holzverkleidungen an den Wänden. Im Saal wurde eine neue Trennwand eingebaut, der Teppichboden durch Parkett ersetzt und neue Leuchten installiert. Auch in den Jugendräumen wurden neben Schönheitsreperaturen die Beleuchtungskörper ausgestauscht. Zum Teil mussten Fensterscheiben in den Eingangsbereichen ausgetauscht werden. Die Küche erhielt eine neue Einrichtung. Durch eine zweckmäßigere Ausstattung wurde in der Küche mehr Verkehrsfläche gewonnen. Der Abschluss der Kirchenrenovierung wurde am Reformationsfest, dem 31.Oktober 2004, im Beisein der Ulmer Regionalsbischöfin Prälatin Gabriele Wulz mit einem Festgottesdienst und einem großen Gemeindefest gefeiert.

Heidehaus

Heidehaus Außenansicht

Heidehaus

Im Wohngebiet Heide hatte die Evangelische Kirchengemeinde seit 1992  ein weiteres Pfarr- und Gemeindehaus, das Heidehaus in der Ernst-Abbe-Straße 74.

Es war ursprünglich als Übergangslösung gedacht. In einer Broschüre der Kirchengemeinde von 1992 heißt es:
„Bis ein gemeinsames ökumenisches Gemeindezentrum gebaut ist, wird dieses Heidehaus neben dem evangelischen Gemeindezentrum in der Stadt ein wichtiges Standbein für die Kirche auf der Heide sein.“

Im Erdgeschoss befand sich der Gemeindesaal. Dort wurde über 20 Jahre von vielen Gruppen und Kreisen ein vielfältiges Programm angeboten. Mutter-Kind-Gruppen, Kinder- und Jugendgruppen, eine Band, Konfi 3 Gruppen und viele andere trafen sich hier. Auch wurde regelmäßig am Himmelfahrtstag im Heidehaus ein Gottesdienst gefeiert. Darüber hinaus gab es Einzelveranstaltungen und private Feiern.

In den beiden oberen Stockwerken war eine Wohnung für Pfarrvikarinnen und Pfarrvikare und ihre Familie und später für die Pfarrstelle Oberkochen II untergebracht.

Die Nutzung des Gemeinderaumes auf der Heide hatte in den letzten Jahren stark abgenommen und seit die Reduzierung der Pfarrstelle Oberkochen II auf einen 50% Dienstauftrag im Jahr 2012 war auch die Pfarrwohnung nicht mehr bewohnt. Zugleich stellte sich die Frage, ob sich die Gemeinde neben dem Gemeindezentrum Versöhnungskirche langfristig den Unterhalt eines zweiten Gemeindehauses würde leisten können.

Nach jahrelangen Vorüberlegungen hat im Juli 2013 der Kirchengemeinderat beschlossen, das Pfarr- und  Gemeindehaus auf der Heide zu verkaufen.

Am 26. Oktober 2013 nahm die Gemeinde mit einer Dankandacht Abschied vom Heidehaus und übergab es an den neuen Besitzer.